Corona & Care – Plattform für Info & Austausch

Hier finden sich Informationen und Anregungen, die sich durch das Coronavirus für die Dienste von Care Teams und der Notfallseelsorge (CNS) ergibt. Beigegeben sind Hinweise auf aktuelle und bevorstehende Herausforderungen und Umgangsweisen, die uns als CNS betreffen. Vieles ist im Fluss, niemand weiss alles, aber viele wissen einiges und haben Erfahrungen gemacht oder Vorbereitungen getroffen – darum: Hilfreiche Hinweise, Anregungen oder Massnahmen, wie einzelne Teams vorgehen, werden gerne entgegen genommen und weitergegeben. Teilen statt hamstern ist ein Gebot der Stunde. Die Seite soll regelmässig aktualisiert werden.

Paul Bühler,

Grundsätzliches:
Bei Notfalleinsätzen gilt die Regel: Rettung an Leib und Leben vor der Betreuung „innerer“ Gefährdungen! Bei der Pandemie „Coronavirus“ ist man v.a. mit medizinischen Massnahmen (Versorgung der Infizierten) und der Prophylaxe (Schutzmassnahmen zur Verhinderung und Eindämmung von Ansteckungen) beschäftigt. Mögliche psycho-soziale Beeinträchtigungen sind derzeit noch im Hintergrund. Hält die Bedrohungslage an und werden die einschneidenden Massnahmen (Distanzierungen etc.) noch verschärft, ist verstärkt mit Notfällen zu rechnen, die uns als Care/Notfallseelsorge-Aufgaben betreffen. Obwohl Länge und Verlauf der Dinge ungewiss ist, heisst dies nicht, dass nicht proaktiv Szenarien durchgespielt und Vorbereitungen getroffen werden. Die folgenden Hinweise und Anregungen wollen zum Nach- und Weiterdenken sowie allenfalls zum Vorbereiten von Massnahmen anregen.
Beat Weber, Geschäftsführer & Webkoordinator CNS.


Aktuelle Situation und bevorstehende oder mögliche Szenarien:
• Verlagerung des Lebens: Das Leben verschiebt sich von der Öffentlichkeit in den Privatbereich. Der öffentliche Raum ist viel stärker allgemein wahrnehmbar und kontrolliert als der private. Mit anderen Worten: Notlagen in den vier Wänden werden weniger oder (zu) spät wahrgenommen.
• Veränderung der Notfälle: Wechselt das Leben weithin vom „Draussen“ zum „Drinnen“ hat das auch Folgen für die Care Team-Einsätze: Angesichts weniger „Betriebsamkeiten“ ist mit einer Abnahme herkömmlicher Einsätze zu rechnen. Umgekehrt dürften Notälle „daheim“ zunehmen und sich auch ändern, was als Notfall gilt.
• Risikogruppen und Problemkonstellationen: Alte, kranke und behinderte Menschen gehören zu den besonders Gefährdeten. Menschen ohne soziale Einbettung und psychische Stabilität sind nochmals anders gefährdet, insbesondere wenn der Bedrohungs- und Isolierungszustand länger anhält. Zu dieser Risikogruppe gehören: Einsame, Isolierte (Selbst- oder Fremdisolation), Menschen in heftigen sozialen Konflikten, labile Menschen, Menschen mit Angstzuständen oder einer Depression. Mit einer erhöhten Suizidalität muss gerechnet werden. Gegenläufig dazu ist es allerdings auch möglich, dass schwierige Situationen Kräfte freisetzen.
• Nach Corona und doch noch Corona: Es zeigen sich neue Probleme (Gewaltausbrüche, verschärfte Debatten und Konflikte, Rechtsfragen).

Mögliche Vorgehensweisen und Szenarien für Care Teams | Notfallseelsorge:
• Ausrüstung/Selbstschutz: Insbesondere für Einsätze bei Infizierten oder stark Gefährdeten (Zuhause, Heime, Spitäler, Quarantenegebieten) müssen notwendige Vorsichtsmassnahmen und Materialien (Schutzmasken und -bekleidung etc.) bereitgestellt und die in den Einsatz Gehenden geschult werden. Vgl. auch die angehängten „Empfehlungen“ (pdf) unseres Präsidenten.
• Anpassung Notfall/Dispositive: Angesichts der Pandemie ist mit Geschehnissen und Einsätzen zu rechnen, die bisher kaum „auf dem Radar“ waren. Gefährdungspotentiale müssen frühzeitig erkannt, eingeschätzt und entsprechende Einsatzdispositionen erstellt werden (inkl. Zurüstung/Schulung).
• Zusammenarbeit: Kontakte und wechselseitige Information mit den Führungsstäben siind wesentlich. Idealerweise ist dort jemand aus dem Care-Bereich dabei, der diesen Wahrnehmungsbereich einbringt. Angesichts komplexer, teils herausfordernder Situationen besteht die Gefahr, dass „psychische Notfälle“ zu gering veranschlagt werden. Ähnlich ist die Zusammenarbeit mit den Blaulicht-Organisationen zu justieren, so dass die Dienste ineinandergreifen und sich ergänzen. Im Blickfeld sind dabei Corona-Betroffene, Angehörige und Einsatzkräfte.
• Kommunikation: Bedürfnis und Bedeutung direkter und digital-vermittelter Kommunikation wird aufgrund des vermehrten Rückzugs in die Häuser zunehmen. Wenn sich die Bedrohungssituation und die Notwendigkeit der äusseren Isolation verstetigt, stellt sich bei Menschen mit fehlenden Sozialkontakten und die auch Medien meiden oder von der Berichterstattung überfordert und geängstet sind, die Frage nach niederschweiligen, kontakt-eröffnenden Möglichkeiten (Hotline, Gefährdemeldungen von Nachbarn etc.).

Links und Anhänge:
Berücksichtigt sind Hinweise, die für den Care- und Notfallseelsorge-Bereich relevant sind oder sein können.
» Coronavirus-Statistik weltweit (real time) Johns Hopkins University (USA)
» Überblick über Geschichte der Pandemien (engl.)
» Hilfen bei Corona-Folgen-Belastungen (Jobverlust etc., SRF 23.5.20)
» Agamben: Nach Corona: Wir sind nurmehr das nackte Leben (NZZ, 18.3.20)
» Agamben zum Umgang der liberalen Demokratien mit dem Coronavirus: Ich hätte da eine Frage (NZZ, 15.4.20)
» Covid-19: Spiritual Care
» P.R. Vogt: Moral, Fakten, Entscheidungen (Mittelländische, 8.4.30)
» Corona & Spiritual Care
» Corona & Palliative Care
» Corona und Kinder
» Isolation als Bedrohung (Blick, 13.3.20)
» Corona, Bible & Théories de l'effondrement (Réformés.ch, 20.3.20)
» Was der Rückzug ins Zuhause mit uns macht (Blick, 21.3.20)
» Atemwegspflege!
» Telefonketten Pro Senectute
» Stress- und Angstreaktionen (NZZ, 14.3.20)
» Zunahme häuslicher Gewalt? (BaZ, 20.3.20)
» Die dargebotene Hand (Tel./Mail/Chat – auch betreffend Coronavirus)
» Tele-Seelsorge für Senioren (Radio SRF 2, 8.4.20)
» Psychologische Hotline
» Offenbarung-online (Bittners)
» Online-Umfrage zu: Psychisches Befinden und Religiosität/Spiritualität von Seelsorgenden in einer Krisenzeit (Uni BE)
» PsyCovid19: Psychologische Unterstützung VS
» Beerdigungen in Zeiten von Corona (Radio SRF 3.4.20)
» 20 Tipps für Qurantäne und Isolation
» Therapeutische Hilfe per App (Radio SRF 1, 24.4.20)
» Online-Umfrage zur Befindlichkeit von Einsätzen und Krankenhauspersonal während der Covid-19-Pandemie (Uni Innsbruck)

Die Seite wird laufend aktualisiert. Hinweise und Anregungen werden gerne entgegen genommen.

1 thought on “Corona & Care – Plattform für Info & Austausch

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    […] Rundmail:Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Kolleginnen und Kollegen,die derzeitige Situation und der mögliche weitere Verlauf beschäftigen derzeit viele Kinder, Familien, Bezugspersonen und Fachkräfte.Aus diesem Grund bereitet die KinderKrisenIntervention der AETAS Kinderstiftung zu verschiedenen aktuellen Fragestellungen eine Sammlung von Handreichungen zum Umgang mit Kindern aus psychotraumatologischer Sicht vor. In diesem Zusammenhang wurden auch andere uns derzeit zur Verfügung stehende internationale Handlungsempfehlungen gesichtet und miteinbezogen.In der Anlage erhalten Sie als Anregung die ersten grundlegenden Empfehlungen für Eltern, Bezugspersonen und Fachkräfte aus Beratungs- und Krisendiensten. Diese finden Sie ebenfalls als Download auf der » Homepage der AETAS Kinderstiftung.Dort werden fortlaufend weitere Handreichungen zu Themen wie „Woran erkenne ich, dass mein Kind belastet ist – was kann ich tun“ oder „Im Ernstfall – kindgerechte Worte zu Krankheit, Sterben und Tod“ zum Abruf angeboten. Hinweise zu unserer elektronischen und telefonischen Krisenberatung finden sich dort ebenfalls.Mit freundlichem GrußTita Kern, Simon Finkeldei und Verena Blank-GorkiSimon Finkeldei, Dipl. PsychologePsychol. Psychotherapeut (VT), Lehrtherapeut, Supervisorstv. Vorstandsvorsitzender TraumaHilfeZentrum München e.V.stv. Fachliche Leitung der KinderKrisenIntervention AETAS KinderstiftungBaldurstraße 27, D-80637 MünchenSiehe auch unsere Seite zu » Corona & Care […]

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